[ditty id=19696]

Sierra Leone – Gemeinschaft stärken, Zukunft schaffen

Lebensrealitäten und Herausforderungen

Das westafrikanische Sierra Leone stand in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder vor großen Herausforderungen. Ein elfjähriger Bürgerkrieg, die Ebola-Epidemie von 2014/15 und wiederkehrende wirtschaftliche Krisen hemmen die Entwicklung des Landes. Mehr als 60 % der Bevölkerung lebt unterhalb der nationalen Armutsgrenze. Besonders Kinder sind betroffen. Bereits grundlegende Bedürfnisse wie Ernährung, Kleidung und medizinische Versorgung bleiben oftmals unerfüllt. Auch das staatliche soziale Sicherungssystem erreicht nur 0,8 % der Kinder. Die Folgen dessen sind im Alltag weithin sichtbar: Kinder gehen nur unregelmäßig zur Schule, Arztbesuche müssen aus finanziellen Gründen ausfallen und häufig gibt es zu Hause nur eine Mahlzeit am Tag. Nach Angaben der Vereinten Nationen waren 2024 82 % der Bevölkerung von Ernährungsunsicherheit betroffen, jedes vierte Kind unter fünf Jahren litt unter Wachstumsverzögerungen infolge chronischer Mangelernährung.

Unsere Projektregionen in Sierra Leone

Gemeinsam mit unserem lokalen Partner Village Community Development (VCD) arbeiten wir seit 2015 an drei unterschiedlichen Standorten: 3-Miles, Makulamba und Makaimba.

3-Miles

3-Miles verdankt den Namen seiner Distanz von rund drei Meilen von der Provinzhauptstadt Makeni. Dennoch ist das Dorf stark ländlich geprägt. Noch vor wenigen Jahren lebten hier lediglich etwa 350 Menschen. Seit 2019 die von uns kofinanzierte Schule Victory Academy eröffnet wurde, wächst die Dorfgemeinschaft kontinuierlich an. Einkommensschwache Familien aus dem Umland siedeln sich in 3-Miles an – in der Hoffnung, ihren Kindern bessere Bildungschancen zu ermöglichen. Aktuell leben rund 1.000 Menschen im Dorf, darunter etwa 320 Schulkinder. Neben dem laufenden Schulbetrieb betreiben wir gemeinsam mit VCD Landwirtschaftsprojekte. Ein ausgebildeter Agronom vermittelt den lokalen Bäuerinnen und Bauern klimaresiliente und ertragreichere Anbaumethoden, die erst auf den gemeinschaftlich bewirtschafteten Flächen erprobt und angewendet werden. Bevor sie in den eigenen Gärten oder kleineren Feldern Anwendung finden. Die Ernte trägt unmittelbar zur Ernährungs- und Einkommenssicherung der Dorfgemeinschaft bei. Ein Teil wird unter den Familien verteilt, ein weiterer auf lokalen Märkten verkauft und ein dritter als Saatgut für die nächste Anbausaison zurückbehalten.

Makulamba

Makulamba liegt etwa eine Autostunde von 3-Miles entfernt und ist über eine unbefestigte Straße erreichbar. Die gesamte Region ist infrastrukturell nur schwach erschlossen. Besonders während der Regenzeit zeigt sich, was diese Abgeschiedenheit für die Menschen bedeutet: Die Zufahrtsstraße ist für Autos wochenlang nicht passierbar. Zur Versorgung des Dorfes und in medizinischen Notfällen kann das Dorf nur mittels eines Motorrades erreicht werden. Die meisten Familien leben von kleinbäuerlicher Landwirtschaft, die vor allem der eigenen Versorgung dient. Viele Menschen können kaum lesen oder schreiben. Es gibt eine Schule, die die einzige in der näheren Umgebung ist und auch von vielen Kindern aus den umliegenden Ortschaften besucht wird.

Makaimba

Das Fischerdorf Makaimba liegt zwei Autostunden von der Hauptstadt Freetown entfernt an der Atlantikküste Sierra Leones und zählt etwa 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Die Menschen leben überwiegend vom Fischen und der kleinbäuerlichen Landwirtschaft. Die Fischerei als traditionelle Lebensgrundlage gerät zunehmend unter Druck. Durch die Überfischung der Küstengewässer werden die Fänge kleiner und die Einkommen unsicherer. Die schlechte Anbindung Makaimbas an lokale und regionale Märkte erschwert den Verkauf von Fisch und Feldfrüchten. Fast alle Familien im Dorf leben unterhalb der Armutsgrenze und verfügen über kein verlässliches Einkommen.

Unser Patenschaftsprogramm in Sierra Leone

Kinder spielen auf dem Schulhof in Makulamba

Als ora Kinderhilfe verfolgen wir einen ganzheitlichen und langfristigen Ansatz. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur das einzelne Kind, sondern auch seine Familie und die Gemeinschaft, in der es aufwächst. Denn nur wenn sich die Lebensbedingungen des gesamten Umfelds verbessern, können Kinder ihr Potenzial nachhaltig entfalten. Das Fundament unserer Arbeit bildet deshalb unser Patenschaftsprogramm für vulnerable Kinder. Es sichert ihre wichtigsten Grundbedürfnisse und schafft gleichzeitig die Voraussetzung dafür, Familien zu stärken und gemeinschaftliche Entwicklungsprojekte umzusetzen. Derzeit begleiten wir knapp 250 Patenkinder sowie ihre Geschwister und Erziehungsberechtigten. Die regelmäßigen Beiträge unserer Patinnen und Paten ermöglichen verlässliche Planung und langfristige Investitionen. Im Mittelpunkt stehen dabei drei grundlegende Bedürfnisse der Kinder:

  • Bildung: Alle Patenkinder können garantiert bis zum Abschluss der Sekundarstufe zur Schule gehen. Schulgebühren, Lernmaterialien und Schulkleidung werden finanziert – auch für ihre Geschwister! Die kontinuierliche Bildung zahlt sich aus: An den Grundschulen unserer Projektstandorte haben alle Schulkinder die staatlichen Abschlussexamen 2026 am Ende der 6. Klasse zu 100% bestanden. Zum Vergleich: Landesweit liegt der Durchschnitt bei nur 78,2% (Ministry of Basic and Senior Secondary Education, 2026).
  • Gesundheit: Im Rahmen des Patenschaftsprogramms werden alle Patenkinder und ihre Geschwister medizinisch versorgt und mit Gesundheitsmaßnahmen betraut. Wenn sie krank sind, werden in regionalen Gesundheitszentren versorgt oder in das nächstgrößere Krankenhaus verwiesen. Zudem nehmen die Kinder an verschiedene Präventionsmaßnahmen teil.
  • Ernährung: Alle Patenkinder und Familien in unserem Projekt erhalten Zugang zu einer ausgewogenen Ernährung. Dies wird insbesondere durch einkommensschaffende Maßnahmen wie Landwirtschaftsprojekte ermöglicht. So können die Kinder neben dem von uns bereitgestellten täglichen Schulmittagessen auch morgens und abends essen. Wenn die Not besonders groß ist, helfen wir mit Saatgut, Lebensmittelpaketen und Kleinkindern mit einem nährstoffreichen Frühstücksbrei.

Starke Gemeinschaften schaffen nachhaltige Veränderung

Gemeinsam mit Village Community Development stärken wir vorhandene Strukturen in den Communities und unterstützen lokale Initiativen, die zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung beitragen:

  • Spargruppen und Mikrokredite: In den von uns initiierten Spargruppen schließen sich vor allem Frauen zusammen – meist Mütter oder weibliche Betreuungspersonen unserer Patenkinder. Gemeinsam sparen sie Geld, tauschen sich aus und unterstützen sich gegenseitig. Das gemeinsam aufgebaute Kapital und gezielte von ora Kinderhilfe finanzierte Anschubfinanzierungen schaffen die Grundlage für Investitionen in kleine Geschäftsideen, Landwirtschaft oder Viehzucht. Begleitend finanzieren wir Trainings, in denen die Teilnehmenden lernen, ihre finanziellen Mittel gezielt einzusetzen, Einnahmen zu verwalten und ihre wirtschaftlichen Aktivitäten vorausschauend zu planen.
  • Gesundheitsförderung: Ein besonderer Schwerpunkt unserer Arbeit liegt auf Prävention und Gesundheitsbildung. Dafür organisieren wir regelmäßig Aufklärungsveranstaltungen, Impftermine und praxisnahe Trainings zu Zahngesundheit, Hygiene sowie sexueller und reproduktiver Gesundheit. Angebote zu Menstruations- und Familiengesundheit vermitteln insbesondere Mädchen und jungen Frauen wichtiges Wissen, stärken ihr Selbstbewusstsein und helfen ihnen, informierte Entscheidungen für ihre Körper zu treffen. In Sierra Leone ist die patriarchale und menschenrechtsverletztende Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung (FGM/C) weiterhin ein strukturelles Problem. Auch hierzu wird Aufklärungsarbeit geleistet und eindringlich dafür geworben, von dieser Praxis Abstand zu nehmen. Glücklicherweise gehen dadurch seit Jahren die Beschneidungen in 3-Miles, Makaimba und Makulamba zurück. Regelmäßig besuchen auch medizinische Einsatzteams die Communities und behandeln Krankheiten, Verletzungen oder Mangelerscheinungen. Häufig treten Malaria, Durchfallerkrankungen oder Sichelzellenanämie auf. Auch hier wird behandelt, gleichzeitig werden aber immer auch Präventionsmaßnahmen vermittelt.
Mobile medizinische Versorgung in Makulamba: Patientinnen und Patienten erhalten Medikamente bei einem mobilen Gesundheitsangebot.
  • Schulbildung für alle: An allen drei Projektstandorten finanzieren wir die Schulen. Kontinuierlich kommen wir für 30 Lehrergehälter auf, und finanzieren das tägliche Schulessen für alle Schulkinder in Makaimba und Makulamba. 
  • Tierhaltung: In allen drei Projektregionen ist die Tierhaltung ein wichtiger Bestandteil der Existenzsicherung. Die Tiere liefern Nahrung, können durch ihre Jungtiere bzw. deren Verkauf zusätzliche Einnahmen ermöglichen und produzieren Dung, der als natürlicher Dünger die landwirtschaftlichen Erträge verbessert. Deshalb finanzieren wir regelmäßig Schafe, Ziegen, Schweine und Hühner, die von den Communities gemeinschaftlich gehalten und verwaltet werden. So profitiert eine größere Gruppe an Menschen von der Unterstützung.
  • Das Recht auf Wohnen: Durch den Klimawandel kommt es auch in Sierra Leone zunehmend zu Extremwetterereignissen. Starkregen folgt auf lange Dürreperioden und zerstört marode Häuserfundamente. Die Menschen verlieren in der Regenzeit ihr Haus, was binnen weniger Tage durch den ständigen Regen dem Erdboden gleichgemacht wird. Wir unterstützen in diesen Fällen und helfen den Communities, neue Häuser zu bauen.

Jetzt aktiv werden – So kannst du helfen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, unsere Projektarbeit in Sierra Leone zu unterstützen.

Patenschaften sind eine besonders nachhaltige Form der Unterstützung: Durch deine regelmäßige Spende kann unser Projektpartner verlässlich planen und Projekte langfristig aufbauen. Denn nur mit planbaren Einnahmen lassen sich stabile Strukturen schaffen und dauerhaft finanzieren. Genau darin liegt die große Stärke einer Dauerspende im Vergleich zur Einzelspende.

Eine Patenschaft unterstützt dabei nicht nur ein einzelnes Kind, sondern auch dessen Familie und Umfeld. So wird sichergestellt, dass dein Patenkind und seine Geschwister gesund ernährt sind, die Schule besuchen und im Krankheitsfall medizinisch versorgt werden.

Auch Einzelspenden sind wichtig: Sie helfen akute Bedarfe zu decken. Durch den engen Austausch mit unserem Projektpartner erfahren wir schnell, was vor Ort fehlt. Mit deiner Einzelspende können wir unbürokratisch und direkt helfen, wenn die Not besonders groß ist.

Verteilung des Essens in Makulamba während der Mittagspause.

Unser Partner vor Ort

Der Beginn unserer Zusammenarbeit mit Sierra Leone reicht in das Jahr 2015 zurück. Während der Ebola-Epidemie engagierte sich ora Kinderhilfe vor Ort zunächst im Rahmen der Nothilfe. Daraus entwickelte sich eine stabile Partnerschaft: Die bereits damals als Community-Leiterin engagierte Glorious gründete gemeinsam mit Kamara die Organisation Village Community Development (VCD). Bis heute führt Glorious VCD mit großer Leidenschaft und persönlichem Einsatz als nationale Koordinatorin und Vorstandsmitglied. Seit 2016 begleitet ora Kinderhilfe die Organisation als enger und verlässlicher Partner. Auch Kamara ist VCD weiterhin als Vorstandsmitglied verbunden und leitet heute eine Schule in Allen Town, Freetown, die für ihren innovativen Bildungsansatz bekannt ist. Ein wichtiger Teil unserer vertrauensvollen Zusammenarbeit sind außerdem Sylvester, Jabbie und David. Sylvester und Jabbie sind eng in die täglichen Community-Aktivitäten eingebunden und übernehmen dabei vielfältige Aufgaben. Sie organisieren Projekte und stehen den Menschen als Vertrauenspersonen und seelsorgerische Ansprechpartner zur Seite. Durch ihre Nähe zu den Familien wissen sie, welche Herausforderungen die Menschen beschäftigen und wo Unterstützung benötigt wird. David ist der Agronom von VCD und verantwortet insbesondere die landwirtschaftliche Projektarbeit. Gemeinsam mit den Einwohnerinnen und Einwohnern von 3-Miles entwickelt und erprobt er seit mehreren Jahren erfolgreich Anbaumethoden, die Erträge verbessern und die Landwirtschaft widerstandsfähiger machen. Damit sind Glorious, Kamara, Sylvester, Jabbie und David weit mehr als unsere Ansprechpartner vor Ort: Sie sorgen dafür, dass unsere gemeinsame Arbeit fest in den Communities verankert ist, sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen orientiert und sich stetig weiterentwickelt.

Notre service :

La lettre d'information d'ora

Reste au courant et reçois régulièrement les informations les plus importantes sur ora Kinderhilfe ! Inscris-toi à notre newsletter gratuite ou lis nos communiqués de presse.

Mme  Monsieur 
error :