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Burundi – Gemeinsam gegen Hunger und Armut

Lebensrealitäten und Herausforderungen

Das ostafrikanische Burundi gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Auf dem Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen (HDI) landet Burundi in den Aspekten „Lebenserwartung“, „Bildung“ und „Lebensstandard“ auf dem Platz 187 von 193 (Statistisches Bundesamt, 2026). Als Binnenstaat ohne eigenen Zugang zum Meer ist das Land stark auf seine Nachbarstaaten angewiesen. Politische Spannungen in der Region, insbesondere der anhaltende Krieg im Osten der Demokratischen Republik Kongo sowie immer wieder belastete Beziehungen zu Ruanda und teilweise auch zu Tansania, erschweren Handel, Versorgung und wirtschaftliche Entwicklung. Die burundische Zivilgesellschaft gerät sozial und ökonomisch zunehmend unter Druck, während Korruption und schwache staatliche Strukturen notwendige Reformen behindern. 

Hunger und Elend bestimmen den Alltag

Hinzu kommt ein Bevölkerungsproblem: Burundi gehört zu den am dichtesten besiedelten Ländern Afrikas. Um Ackerflächen für die wachsende Bevölkerung zu schaffen, wurden in den vergangenen Jahrzehnten große Teile der natürlichen Wälder gerodet. Die Folgen sind Bodenerosion, sinkende Bodenfruchtbarkeit und eine zunehmende Anfälligkeit für die Auswirkungen des Klimawandels. Für die überwiegend kleinbäuerlich lebende Bevölkerung bedeutet das, dass die natürlichen Lebensgrundlagen immer knapper werden, während der Bedarf stetig wächst.

 Die meisten Familien in den Projektregionen, die ora Kinderhilfe seit 2016 unterstützt, leben von kleinbäuerlicher Landwirtschaft. Sie bauen an, um ihre Familien zu ernähren und einen Teil der Ernte auf lokalen Märkten zu verkaufen. Für viele Haushalte ist die Landwirtschaft die wichtigste oder sogar einzige Einnahmequelle. Doch diese Lebensgrundlage wird zunehmend unsicher. Unstete Wetterlagen gefährden die Ernten.  Zudem fehlen den Familien moderne (Ernte-)Geräte, verlässliche Lager- und Bewässerungsmöglichkeiten sowie Saatgut und Dünger. Wenn eine Ernte schlecht ausfällt, reicht sie oft kaum für den Eigenbedarf – und für den Verkauf bleibt nichts übrig. Dadurch fehlen nicht nur Lebensmittel, sondern auch die Einnahmen für Schulgebühren, Lebensmittel oder medizinische Versorgung. Besonders Kinder spüren diesen Kreislauf unmittelbar: Wer hungrig zur Schule geht, kann sich kaum konzentrieren, erhält einen schlechteren oder gar keinen Schulabschluss und hat somit weniger Chancen, der Armut zu entfliehen. So werden Klimarisiken, strukturelle Armut und fehlende Bildungschancen zu einem Kreislauf, der Familien über Generationen hinweg belastet. 

Unsere Projektregionen in Burundi

Gemeinsam mit unserem lokalen Partner Fondation Stamm arbeiten wir in drei Projektregionen: Gihanga, Murenge und Musaga. Jede dieser Regionen steht exemplarisch für andere Herausforderungen, mit denen Familien in Burundi konfrontiert sind.

Gihanga

Gihanga liegt nur wenige Kilometer nördlich der Hauptstadt Bujumbura und umfasst ein weitläufiges, stark von kleinbäuerlicher Landwirtschaft geprägtes Gebiet. Durch die unmittelbare Nähe zur Grenze mit der Demokratischen Republik Kongo (DRC) ist Gihanga zugleich ein Transitort. Besonders seit dem erneuten Aufflammen bewaffneter Konflikte im Osten DRCs halten sich hier viele geflüchtete Menschen (zumindest vorübergehend) auf. Neben einigen dorfähnlichen Zentren leben die meisten Familien verstreut in kleinen Hütten inmitten des bewirtschafteten Landes. Wege zu Feldern, Schulen oder Gesundheitszentren sind dadurch oft weit und beschwerlich.

Murenge

Murenge liegt etwa fünf Autostunden von Bujumbura entfernt im Hochland Zentralburundis. Die Region ist deutlich abgelegener und besteht aus Dorfgemeinschaften von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Das gemäßigtere Hochlandklima unterscheidet sich spürbar vom heißen Klima rund um Bujumbura. Gleichzeitig erschweren die Abgelegenheit und die schwache Infrastruktur den Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und Märkten. 

Musaga

Musaga ist eine urbane Projektregion. Der von informellen Wohnsiedlungen geprägte Stadtteil Bujumburas breitet sich über die östlichen Berghänge aus und lässt die Stadtgrenze immer weiter in die Hügel hineinwachsen. Musaga ist ein Anlaufpunkt für viele Binnenmigrantinnen und Binnenmigranten, die in der Stadt Arbeit, Einkommen und bessere Zukunftschancen suchen. Doch für viele erfüllt sich diese Hoffnung nicht: Statt wirtschaftlicher Sicherheit finden sie häufig beengte Wohnverhältnisse, informelle Arbeit und große Unsicherheit.  

In Musaga werden landwirtschaftliche Erträge gleich lokal verkauft.

In der Hoffnung auf Arbeit und eine bessere Zukunft ziehen viele junge Frauen vom Land nach Musaga. Doch nicht selten geraten sie schon nach kurzer Zeit in eine schwierige Lebenssituation: Sie lassen sich auf ungute Beziehungen ein, werden alleinerziehend und leben unter prekären Bedingungen. Ohne ausreichende Bildung, ein eigenes Einkommen und verlässliche Unterstützung sehen sie sich mit großen Herausforderungen konfrontiert und geraten mit ihren Kindern häufig in existenzielle Not. 

Unser Patenschaftsprogramm in Burundi

Als ora Kinderhilfe verfolgen wir einen ganzheitlichen und langfristigen Ansatz. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur das einzelne Kind, sondern auch seine Familie und die Gemeinschaft, in der es aufwächst. Denn nur wenn sich die Lebensbedingungen des gesamten Umfelds verbessern, können Kinder ihr Potenzial nachhaltig entfalten. Das Fundament unserer Arbeit bildet deshalb unser Patenschaftsprogramm für besonders vulnerable Kinder. Es sichert ihre wichtigsten Grundbedürfnisse und schafft gleichzeitig die Voraussetzung dafür, Familien zu stärken und gemeinschaftliche Entwicklungsprojekte umzusetzen. Derzeit begleiten wir auf diese Weise knapp 250 Patenkinder sowie ihre Geschwister und Erziehungsberechtigten.  

Die regelmäßigen Beiträge unserer Patinnen und Paten ermöglichen verlässliche Planung und langfristige Investitionen. So können wir nicht nur akute Not lindern, sondern Perspektiven schaffen und unsere Projektarbeit kontinuierlich weiterentwickeln. Im Mittelpunkt stehen dabei drei grundlegende Bedürfnisse der Kinder: 

  • Bildung: Alle Patenkinder können garantiert bis zum Abschluss der Sekundarstufe zur Schule gehen. Schulgebühren, Lernmaterialien und Schulkleidung werden finanziert – auch für ihre Geschwister!  
  • Gesundheit: Die wenigsten Familien können es sich leisten, im Krankheitsfall zum Arzt zu gehen. Im Rahmen des Patenschaftsprogramms erhalten alle Patenkinder Zugang zu einer Krankenversicherung, von der auch ihre Geschwister profitieren. Darüber hinaus werden Präventionsmaßnahmen durchgeführt, beispielsweise in Form von Trainings zu Menstruationsgesundheit, Zähneputzen oder Händewaschen.  
  • Ernährung: Alle Patenkinder und Familien in unserem Projekt erhalten Zugang zu einer ausgewogenen Ernährung. Dies wird insbesondere durch einkommensschaffende Maßnahmen für die Eltern und Erziehungsberechtigten ermöglicht. So kann sichergestellt werden, dass die Kinder neben einem Schulmittagessen auch morgens und abends zu essen haben. Wenn Not herrscht, helfen wir zusätzlich mit Saatgut, Lebensmittelpaketen und für Kleinkinder mit einem besonders nährstoffreichen Frühstücksbrei. 

Starke Gemeinschaften als Motor für Veränderung

In enger Zusammenarbeit mit der Fondation Stamm stärken wir bestehende Community-Strukturen und fördern lokale Initiativen für wirtschaftliche und soziale Entwicklung: 

  • Spargruppen und Mikrokredite: In den von uns initiierten Spargruppen organisieren sich vor allem Frauen (meist Mütter oder Betreuungspersonen der Patenkinder). Sie sparen gemeinsam, tauschen Erfahrungen aus und unterstützen einander. Gezielte Anschubfinanzierungen sowie gemeinsam Erspartes ermöglichen Investitionen in kleine Geschäftsideen, Landwirtschaft und Viehzucht. Ergänzend finanzieren wir Trainings, in denen die Teilnehmenden lernen, Kapital sinnvoll einzusetzen, Einnahmen zu verwalten und ihre Vorhaben langfristig zu planen. 

Immer wieder entwickeln die Gruppen mit großer unternehmerischer Kreativität erfolgreiche Geschäftsmodelle. Mit dem erwirtschafteten Geld werden regelmäßig Mikrokredite an die Mitglieder der Gruppe verteilt, um offene Bedarfe und Kosten zu decken. Auch neue Investitionen für die Gruppe werden getätigt. Die Rückzahlungsrate der Mikrokredite liegt nahezu bei 100%. Viele Frauen berichten zudem, dass sie durch ihr eigenes Einkommen und die Gemeinschaft der Spargruppe an Selbstvertrauen und Einfluss innerhalb ihrer Familien und Communities gewinnen. Ihre Erträge investieren sie häufig gezielt in Ernährung, Gesundheit und Bildung ihrer Kinder. 

Die Frauen der Spargruppen halten ihre Einnahmen und Ausgaben akribisch fest.
  • Gesundheitsförderung: Ein besonderer Schwerpunkt unserer Arbeit liegt auf Prävention und Gesundheitsbildung. Dafür organisieren wir regelmäßig Aufklärungsveranstaltungen und praxisnahe Trainings zu Zahngesundheit, Hygiene sowie sexueller und reproduktiver Gesundheit. Angebote zu Menstruations- und Familiengesundheit vermitteln insbesondere Mädchen und jungen Frauen wichtiges Wissen, stärken ihr Selbstbewusstsein und helfen ihnen, informierte Entscheidungen für ihre Körper zu treffen. 
  • Tierhaltung: In allen drei Projektregionen ist die Tierhaltung ein wichtiger Bestandteil der Existenzsicherung. Die Tiere liefern Nahrung, können durch ihre Jungtiere zusätzliche Einnahmen schaffen und produzieren Dung, der als natürlicher Dünger die landwirtschaftlichen Erträge verbessert. Deshalb finanzieren wir regelmäßig Schafe, Ziegen, Schweine und Hühner, die von den Communities gemeinschaftlich gehalten und verwaltet werden. So profitiert nicht nur eine einzelne Familie, sondern eine größere Gruppe langfristig von der Unterstützung. 
Frauen in Murenge präsentieren stolz die Eier von Hühnern, die ihnen als Spargruppe zugeteilt worden waren.
  • Englischkurse: In den häufig überfüllten Klassen der öffentlichen Schulen Burundis (bis zu 80 Lernende) können Lehrkräfte kaum auf unterschiedliche Altersgruppen, Lernstände und Förderbedarfe eingehen. Besonders im Englischunterricht entstehen dadurch schnell Lücken.  

Umso mehr freut es uns, dass unser ehemaliges Patenkind Oscar in Gihanga in den Ferienzeiten mehrmals pro Woche Englischunterricht anbietet. Dort können Schülerinnen und Schüler Inhalte wiederholen, Fragen stellen und versäumten Unterrichtsstoff aufarbeiten. Oscar selbst wurde viele Jahre durch das Patenschaftsprogramm von ora Kinderhilfe begleitet, lernte dabei sehr gut Englisch und gibt sein Wissen heute an die nächste Generation weiter. Seine Geschichte zeigt besonders anschaulich, wie langfristige Unterstützung Wirkung entfalten und innerhalb einer Community weitergetragen werden kann. 

  • Solarlampen: In Burundi wird es durch die Nähe zum Äquator ganzjährig bereits gegen 18:30 Uhr dunkel. Viele Haushalte sind nicht an das Stromnetz angeschlossen und verfügen nach Sonnenuntergang über keine verlässliche Lichtquelle. Wenn die Erwachsenen von den Feldern und die Kinder aus der Schule zurückkehren, bleibt deshalb kaum Zeit, um Hausaufgaben zu erledigen, zu lernen oder andere notwendige Arbeiten zu verrichten. Mitte 2026 wurden daher mehr als 500 Solarlampen an besonders vulnerable Familien in unseren Projektregionen verteilt. 
Dank Solarlampen lernen die Kinder auch abends.

Jetzt aktiv werden – So kannst du helfen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, unsere Projektarbeit in Burundi zu unterstützen. Patenschaften sind eine besonders nachhaltige Form der Unterstützung: Durch deine regelmäßige Spende kann unser Projektpartner verlässlich planen und Projekte langfristig aufbauen. Denn nur mit planbaren Einnahmen lassen sich stabile Strukturen schaffen und dauerhaft finanzieren. Genau darin liegt die große Stärke einer Dauerspende im Vergleich zur Einzelspende.  

Eine Patenschaft unterstützt dabei nicht nur ein einzelnes Kind, sondern auch dessen Familie und Umfeld. So wird sichergestellt, dass dein Patenkind und seine Geschwister gut ernährt sind, die Schule besuchen und im Krankheitsfall medizinisch versorgt werden können. 

Auch Einzelspenden sind wichtig: Sie helfen akute Bedarfe zu decken. Durch den engen Austausch mit unserem Projektpartner erfahren wir schnell, was vor Ort fehlt. Mit deiner Einzelspende können wir unbürokratisch und direkt helfen, wenn die Not besonders groß ist.  

Unser Partner vor Ort

Unser lokaler Projektpartner, die Fondation Stamm, wurde 1999 von Verena Stamm gegründet, einer deutschen Krankenpflegerin, die bereits seit 1972 in Burundi lebt. Was mit der Fürsorge für Frauen und Kinder während des burundischen Bürgerkriegs (1993–2005) begann, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einer der größten zivilgesellschaftlichen Organisationen des Landes entwickelt. Dafür wurde Verena Stamm 2017 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Heute begleitet die Fondation Stamm benachteiligte Kinder und Familien in ganz Burundi. Zu ihrem breiten Engagement gehören Projekte für Straßenkinder, ehemalige Kindersoldaten, Waisen, Gewaltbetroffene, Geflüchtete sowie weitere besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen. Dabei verfolgt die Organisation stets einen ganzheitlichen Ansatz: Menschen sollen nicht nur in akuten Notlagen unterstützt, sondern langfristig dabei begleitet werden, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten. 

Seit 2024 arbeiten wir als ora Kinderhilfe eng mit der Fondation Stamm zusammen und entwickeln gemeinsam langfristige Projekte in unseren drei Projektregionen. Unsere Partnerschaft ist geprägt von großem gegenseitigem Vertrauen und einem gemeinsamen Verständnis von Entwicklungszusammenarbeit: Gute Projekte entstehen nicht am Schreibtisch, sondern gemeinsam mit den Menschen vor Ort. Deshalb orientieren sich unsere Maßnahmen konsequent an den Bedürfnissen, Ideen und Wünschen der Communities. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor sind dabei die lokalen Community-Verantwortlichen Méduc, Alexy und Dieudonné, die jeweils selbst in den Projektregionen Gihanga, Musaga und Murenge leben. Sie sind erste Ansprechpartner für die Familien, kennen die Menschen und ihre Lebensrealitäten und begleiten die Communities weit über die eigentliche Projektarbeit hinaus – als Berater, Vermittler, Vertrauenspersonen und wichtige Bindeglieder zwischen den Menschen vor Ort und unserer gemeinsamen Projektarbeit. Gemeinsam mit den Projektassistentinnen Cynthia und Ange Délicia stehen wir in engem und regelmäßigem Austausch. Dieses starke lokale Netzwerk ermöglicht es uns, schnell auf Veränderungen zu reagieren und unsere Projekte kontinuierlich an die tatsächlichen Bedürfnisse der Menschen anzupassen. 

Unser Service:

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