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Ruanda – Gemeinsam Zukunft gestalten

Stärkende Gemeinschaft

Ruanda gilt als wirtschaftlich aufstrebend, hat in den letzten Jahren beeindruckend Fortschritte gemacht und wird international zunehmend als verlässlicher Partner wahrgenommen – unter anderem durch enge Kooperationen mit der Europäischen Union, China, Indien und auch Deutschland, die in Ruanda in Gesundheit, Bildung, Klimaanpassung, Infrastruktur und wirtschaftliche Entwicklung investieren.

Dennoch sind die Folgen des Genozids gegen die Tutsi und gemäßigten Hutu von 1994 bis heute spürbar. Mit mehr als einer Million Toten wurden damals ganze Dorfgemeinschaften zerstört und Familien auseinandergerissen. Unzählige Kinder verloren ihre Eltern, Großeltern ihre erwachsenen Kinder. In manchen Gemeinschaften fehlt bis heute ein Teil der „mittleren Generation“, also genau jene Menschen, die normalerweise Familien tragen, Einkommen sichern, Kinder großziehen und die Älteren versorgen.

Nach dem Genozid entstanden vielerorts neue Gemeinschaften: Überlebende, Witwen, Waisen oder Rückkehrende schlossen sich zusammen, organisierten ihren Alltag neu und versuchten, aus gemeinsamer Trauer wieder Zukunft entstehen zu lassen. Besonders in diesen Communities ist der Bedarf an Begleitung bis heute groß – nicht nur materiell, sondern auch emotional, sozial und gesundheitlich. Hier setzt unsere Arbeit mit unserem Projektpartner an.

Unsere Projektregionen in Ruanda

Gemeinsam mit unserem lokalen Partner Solace Ministries (zu Deutsch in etwa: Trostdienste) arbeiten wir in neun Gemeinschaften in verschiedenen Regionen Ruandas:  Kabuga, Nyagasambu, Bicumbi, Runda, Nyamata, Rugarama, Jali, Jabana und Rusatira. Einige von ihnen, wie beispielsweise Kabuga oder Runda, liegen im periurbanen Raum der Hauptstadt Kigali. Die anderen Communities sind in Dörfer ansässig. Die Menschen leben überwiegend von kleinbäuerlicher Landwirtschaft, Gelegenheitsarbeit oder kleinen Handelsgeschäften. Viele Familien verfügen nur über ein sehr geringes Einkommen und sind besonders anfällig für Krisen oder Krankheiten. Da die Gemeinschaften in Folge des Genozids entstanden sind und sie der gemeinsame Wunsch nach Trost und Stabilität prägt, ist der Austausch und Zusammenhalt dort besonders groß. Sie stehen im Alltag einander bei, teilen, was sie haben, weinen zusammen, beten, lachen und arbeiten zusammen.

Unser Patenschaftsprogramm in Ruanda

Mutter und Sohn in Jali, Ruanda

Unser Projektansatz gemeinsam mit Solace Ministries folgt dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe. Dabei denken wir Unterstützung immer auf drei Ebenen: beim Kind, in der Familie und in der Gemeinschaft. Denn langfristige und nachhaltige Veränderung gelingt nur dann, wenn nicht nur einzelne Kinder gefördert werden, sondern auch ihr Umfeld gestärkt wird. Im Zentrum unserer Arbeit steht deshalb ein Patenschaftsprogramm, das die Grundbedürfnisse besonders vulnerabler Kinder sichert. Ergänzend setzen wir gezielt Projekte um, die Familien wirtschaftlich stärken, die Gesundheitsvorsorge verbessern und das Gemeinschaftsleben fördern. Aktuell unterstützen wir knapp 490 Patenkinder sowie ihre Geschwister und Familien.

 

Durch regelmäßige und planbare Spenden können wir langfristig handeln, Versorgung sichern und gezielt in die Weiterentwicklung der Community-Strukturen investieren. Im Mittelpunkt stehen dabei immer die grundlegenden Bedürfnisse der Kinder:

  • Bildung: Alle Patenkinder können garantiert bis zum Abschluss der Sekundarstufe zur Schule gehen. Schulgebühren, Lernmaterialien und Schulkleidung werden finanziert – auch für ihre Geschwister.
  • Gesundheit: Die wenigsten Familien können es sich leisten, im Krankheitsfall zum Arzt zu gehen. Im Rahmen des Patenschaftsprogramms erhalten alle Patenkinder Zugang zu einer staatlichen, Community-basierten Krankenversicherung, von der die gesamte Familie profitiert. Darüber hinaus werden Präventionsmaßnahmen durchgeführt, beispielsweise in Form von Trainings zu Menstruationsgesundheit, Zähneputzen oder Händewaschen.
  • Ernährung: Alle Patenkinder und Familien in unserem Projekt erhalten Zugang zu einer ausgewogenen Ernährung. Dies wird insbesondere durch einkommensschaffende Maßnahmen für die Eltern und Erziehungsberechtigten ermöglicht. So kann sichergestellt werden, dass die Kinder neben einem Schulmittagessen auch morgens und abends zu essen haben. Wenn Not herrscht, helfen wir zusätzlich mit Saatgut und Ernährungspaketen.
  • Jugendcamps: Kinder brauchen nicht nur Bildung und Gesundheit, sondern auch Zugehörigkeit und positive Erfahrungen. Deshalb organisiert Solace Ministries seit vielen Jahren Jugendcamps in allen Projektregionen. Jährlich kommen dort mehr als 1.200 Kinder zusammen, erlernen Neues, schließen Freundschaften und erleben Gemeinschaft. Viele ehemalige Teilnehmer und Teilnehmerinnen engagieren sich heute selbst als ehrenamtliche Betreuungspersonen und geben ihre Erfahrungen an jüngere Kinder weiter.

 

Aktivitäten des Jugendcamps in Rugarama, Ruanda

In enger Zusammenarbeit mit Solace Ministries stärken wir bestehende Community-Strukturen und fördern lokale Initiativen für wirtschaftliche und soziale Entwicklung:

  • Spargruppen und Mikrokreditprogramme: In von uns initiierten Spargruppen organisieren sich vor allem Frauen, sparen gemeinsam, tauschen sich aus und unterstützen einander. Gezielte Anschubfinanzierungen ermöglichen den Aufbau kleiner Geschäfte sowie Landwirtschaft und Viehzucht. Wir übernehmen die Kosten für Registrierung und Trainings, in denen die Frauen lernen, Kapital effektiv und effizient einzusetzen.
  • Darüber hinaus betreibt Solace Ministries ein eigenes Mikrokreditprogramm: Interessierte können sich mit einem Konzept und Budgetplan an unsere Partner wenden, und erhalten nach Genehmigung Kleinkredite. Die Kosten hierfür werden ebenfalls von uns getragen.
  • Gesundheitsförderung: Ein besonderer Schwerpunkt unserer Arbeit liegt auf Prävention und Gesundheitsbildung. Wir organisieren regelmäßige Aufklärungsveranstaltungen und Trainings zu Zahngesundheit, Hygiene, Augengesundheit und reproduktiver Gesundheit. Allein in der Ortschaft Rusatira wurden im vergangenen Jahr mehr als 2.000 Zahnuntersuchungen für Kinder durchgeführt, notwendige Behandlungen ausgeführt und Zahnpflegeprodukte verteilt. Gleichzeitig erhielten 700 Kinder und Eltern Zahnbürsten und Zahnpasta sowie Schulungen zur richtigen Mundhygiene.
  • Auch die Augengesundheit gewinnt an Bedeutung: Sehprobleme werden frühzeitig erkannt und behandelt. Ergänzend stärken Seminare zu Hygiene, Menstruations- und Familiengesundheit insbesondere Mädchen und junge Frauen in ihrer Entwicklung und Selbstbestimmung.
  • Tierhaltung: In vielen Communities erhalten gezielt Kinder Kaninchen und die entsprechenden Schulungen zur Tierhaltung. So übernehmen die Kinder von klein auf Verantwortung, und haben dabei sehr viel Spaß. Die Tiere vermehren sich schnell, liefern Dünger für die Landwirtschaft und können verkauft werden. Dadurch entsteht ein zusätzliches Einkommen für die ganze Familie.
  • Außerdem verteilen wir regelmäßig Ziegen, Kühe und andere Nutztiere an besonders vulnerable und ältere Menschen in den Projekten, da sie keine Einnahmequellen oder finanziellen Rücklagen haben. Die Tiere sichern ihr tägliches Auskommen.

Gesondertes Projektvorhaben mit staatlicher Unterstützung

Gemeinsam mit unserem lokalen Partner und einer Finanzierung durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) führen wir aktuell ein gesondertes, mehrjähriges Projekt durch. Das Projektvorhaben Bright Beginnings – Förderung frühkindlicher Entwicklung und Gesundheit von Mutter und Kind zielt darauf ab, die Mutter- und Kindsterblichkeit in den Projektstandorten Rusororo und Jali zu reduzieren. Durch Schulungen für lokales Gesundheitspersonal sowie die Anbindung an Kitas werden Mütter und Kinder besser medizinisch versorgt. Betreuung und frühkindliche Förderung werden im Projekt zum Beispiel durch die Weiterbildung von Erzieher und Erzieherinnen und Eltern professionalisiert. Die Kinderbetreuung qualitativ zu verbessern, trägt dazu bei Chancenungleichheiten abzubauen, kindgerechte Räume zu schaffen und Förderbedarfe frühzeitig zu erkennen. Das Projekt soll als Leuchtturmprojekt fungieren, also als Vorbild dienen und im ganzen Land kosteneffizient nachahmbar sein.

Jetzt aktiv werden – So kannst du helfen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, unsere Projektarbeit in Ruanda zu unterstützen. Patenschaften sind eine besonders nachhaltige Form der Unterstützung: Durch deine regelmäßige Spende kann unser Projektpartner verlässlich planen und Projekte langfristig aufbauen. Denn nur mit planbaren Einnahmen lassen sich stabile Strukturen schaffen und dauerhaft finanzieren. Genau darin liegt die große Stärke einer Dauerspende im Vergleich zur Einzelspende.

Eine Patenschaft unterstützt dabei nicht nur ein einzelnes Kind, sondern auch dessen Familie und Umfeld. So wird sichergestellt, dass dein Patenkind und seine Geschwister gut ernährt sind, die Schule besuchen und im Krankheitsfall medizinisch versorgt werden können. Auch Einzelspenden sind wichtig: Sie helfen akute Bedarfe zu decken. Durch den engen Austausch mit unserem Projektpartner Solace Ministries erfahren wir schnell, was vor Ort fehlt. Mit deiner Einzelspende können wir unbürokratisch und direkt helfen, wenn die Not besonders groß ist.

Unser Partner vor Ort

Neema und Lambert, Geschäftsführerin und Leiter der Abteilung für Gemeindeentwicklung bei Solace Ministries

Unser lokaler Partner Solace Ministries wurde 1994 von dem Genozid-Überlebenden Jean Gakwandi gegründet. In den Monaten nach dem Genozid begann alles mit kleinen Treffen von Witwen und Waisenkindern, die gemeinsam trauerten, beteten, füreinander sorgten und versuchten, neuen Halt zu finden. Aus diesen ersten Gemeinschaften entwickelte sich Schritt für Schritt eine inzwischen landesweit bekannte lokalen Hilfsorganisation für Überlebende des Genozids in Ruanda. Solace Ministries kümmert sich heute um rund 60 Gemeinschaften in Ruanda. Sie werden als eine Art „erweiterte Familie“ verstanden. Notleidende Menschen finden Unterstützung, Gemeinschaft und neue Perspektiven. „Solace“ heißt auf Deutsch „Trost“. Bis heute prägt dieser Anspruch die Arbeit: Die Menschen materiell zu unterstützen und ihnen zugleich Hoffnung, Würde und Zugehörigkeit zurückzugeben. Seit 2006 arbeiten wir als ora Kinderhilfe mit Solace Ministries zusammen. Was uns verbindet, sind der christliche Glaube und die Überzeugung, dass nachhaltige Entwicklung nur ganzheitlich gelingen kann. Deshalb begleiten wir Menschen langfristig: Bildung, Gesundheit, psychosoziale Unterstützung, Einkommensförderung und Gemeinwesenarbeit gehören ebenso dazu wie die materielle, soziale und emotionale Unterstützung von Witwen, Waisen und besonders vulnerablen Familien.

Rwandan Daughters

Als ora Kinderhilfe unterstützen wir Überlebende des Genozids und ihre Familien. Das Kunstprojekt „Rwandan Daughters“ des Berliner Fotografen Olaf Heine entstand, um auf das Schicksal der Frauen hinzuweisen, die während des Genozids unvorstellbare Gewalt und Missbrauch erlebt haben und Folge der Vergewaltigungen, Töchter zur Welt gebracht haben. Unter dem Motto „nie wieder”“ ist jetzt weist das Projekt auf Vergewaltigung als Kriegswaffeund dessen Folgen hin. Zwischen 2016 und 2018 portraitierte Olaf Heine in Zusammenarbeit uns Mütter und Töchter aus den ora-Projekten an den Orten ihrer Geschichte Die eindrucksvollen Bilder erzählen von Schmerz und Verlust – aber vor allem von Mut, Stärke, Resilienz und der Befreiung durch Vergebung.

Bestellung:

Mit dem Kauf des Buches unterstützt du unsere Arbeit für die Rwandan Daughters. Alle Erlöse fließen direkt in die Unterstützung der Mütter und Töchter. Überlebende des Genozids und ihre Familien. Bestelle dein Exemplar unter Angabe der Versand- und Rechnungsadresse unter info@ora-kinderhilfe.de. Wir senden dir das Buch auf Rechnung gerne zu. Der Preis beträgt 59 € zzgl. Porto und Versand.

Unser Service:

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