Zwischen Tourismus und Armut
In der kenianischen Küstenregion rund Watamu am Indischen Ozean treffen zwei Realitäten aufeinander: Während der Tourismus die Küstenstreifen durch Hotels, Restaurants und Resorts nachhaltig verändert hat und saisonales Einkommen verspricht, lebt ein Großteil der Bevölkerung im Küsten-Hinterland weiterhin in Armut. Von den Einnahmen des Tourismus kommt bei vielen Familien kaum etwas an. Gleichzeitig prägen die langfristigen Folgen der anhaltenden HIV-/AIDS-Epidemie das Leben vieler Kinder: Zahlreiche von ihnen haben einen oder beide Elternteile verloren oder wachsen in instabilen familiären Verhältnissen auf. Die Kombination aus wirtschaftlicher Ungleichheit und den prekären Lebensumständen führt dazu, dass besonders viele Kinder ohne ausreichende Versorgung, Bildung und Perspektiven aufwachsen – oft nur wenige Kilometer entfernt von Orten des Wohlstands.
Unser Projektstandort
Chafisi
Gemeinsam mit unserem lokalen Projektpartner Chafisi Community Support Organisation arbeiten wir seit 2008 in dem kleinen Dorf Chafisi bei Watamu in der Region Kilifi. In den Ortschaften rund um das touristische Watamu leben insgesamt etwa 100.000 Einwohner. Neben Hotels sind hier viele Fischerei- und kleinbäuerliche Landwirtschaftsbetriebe angesiedelt. Die HIV-Infektionsrate ist sehr hoch, etwa jeder siebte Einwohner ist infiziert. Um auf die steigende Zahl von Waisenkindern zu reagieren, gründete die Organisation vor knapp 20 Jahren ein Waisenhaus. Auch dank unserer strukturellen Unterstützung entwickelte sich daraus nach und nach die heutige Wings of Mercy Dabaso Academy Schule. Dort unterrichten nach aktuellem Stand 18 Lehrkräfte und zwei Sozialarbeiter knapp 340 Schülerinnen und Schüler in den Jahrgangsstufen eins bis neun sowie in einer Vorschule und einer Krippe. Dem ursprünglichen Ziel, Waisenkindern ein Zuhause zu geben, bleibt die Schule bis heute treu: Knapp zwei Drittel aller Schulkinder leben auf dem großzügigen Schulgelände im Internat. Dazu gehören drei Schlafsäle, eine Mensa, ein Krankenzimmer, ein Computerraum, Toiletten- und Büroräume sowie 17 Klassenzimmer. Die Schule wird als Privatschule geführt, ist jedoch von der Regierung als Bildungseinrichtung anerkannt. Dadurch können die Schülerinnen und Schüler an den landesweit geltenden Abschlussprüfungen teilnehmen. Die Schule ist Dreh- und Angelpunkt der von uns unterstützten Projektarbeit in Chafisi und damit eine Besonderheit in unserem Projektportfolio. Während wir meist dafür sorgen, dass Kinder in unseren Projekten eine öffentliche Schule besuchen können, ist mit der Wings of Mercy Dabaso Academy über die vergangenen 18 Jahre ein kindzentrierter Ort entstanden, an dem Entwicklung weit über Bildung hinaus gesichert und gefördert wird.
Unser Patenschaftsprogramm in Chafisi
Um die laufenden und durch Inflation fortwährend steigenden Kosten der Schule langfristig tragen zu können, haben wir in Chafisi ein Patenschaftsprogramm ins Leben gerufen. Darüber unterstützen wir derzeit rund 200 Kinder sowie indirekt auch ihre Geschwister und Eltern.
Weitere etwa 140 Kinder sind noch nicht Teil des Patenschaftsprogramms, profitieren aber als Schülerinnen und Schüler der Wings of Mercy Dabaso Academy ebenfalls von den vorhandenen Schulstrukturen.
Durch regelmäßige und planbare Spenden können wir langfristig handeln, Versorgung sichern und gezielt in die Weiterentwicklung der Schule investieren. Im Mittelpunkt stehen dabei die grundlegenden Bedürfnisse der Kinder:
- Bildung: Alle Patenkinder können garantiert bis zum Abschluss der Sekundarstufe zur Schule gehen. Schulgebühren, Lernmaterialien und Schulkleidung werden finanziert. Durch die besondere Finanzierungsstruktur der Wings of Mercy Dabaso Academy sind kleinere Klassen, qualifiziertes Lehrpersonal und vergleichsweise gute Lernerfolge möglich. Die Schule gilt als eine der besten im südlichen Kenia und ist bekannt für seine hervorragende Ausbildung von Kindern und Jugendlichen.
- Gesundheit: Die wenigsten Familien können es sich leisten, im Krankheitsfall zum Arzt zu gehen. Im Rahmen des Patenschaftsprogramms können alle Paten- und Schulkinder jederzeit das gut ausgestattete Krankenzimmer der Schule nutzen. Bei schwerwiegenderen Fällen wird ein Arzt hinzugezogen oder ein Krankenhausbesuch ermöglicht. Auch diese Kosten werden über das Programm getragen. Darüber hinaus werden Präventionsmaßnahmen durchgeführt, beispielsweise in Form von Trainings zu Menstruationshygiene, Zähneputzen oder Händewaschen.
- Ernährung: Die Internatskinder erhalten täglich drei Mahlzeiten und einen Nachmittagssnack. Alle weiteren Schul- und Patenkinder bekommen täglich Frühstück und ein nahrhaftes Mittagessen. Wenn sie nach Schulschluss auf dem Gelände bleiben, um am pädagogisch begleiteten Nachmittags- und Sportprogramm teilzunehmen, erhalten sie zusätzlich ein Abendessen.
Darüber hinaus entwickeln wir die Wings of Mercy Dabaso Academy Schritt für Schritt weiter zu einem Ort, der Kinder, Familien und die gesamte Gemeinschaft stärkt:
- Spargruppen und Mikrokreditprogramme: In von uns ins Leben gerufene Spargruppen organisieren sich insbesondere Frauen, um sich finanziell zu stärken. In diesem bewährten und solidarischen System sparen sie gemeinsam, tauschen sich aus und unterstützen einander. Gezielte Anschubfinanzierungen ermöglichen Investitionen in kleine Geschäftsideen sowie in Landwirtschaft und Viehzucht. Wo möglich, arbeiten wir mit lokalen Strukturen zusammen: Die Mikrokredite werden daher über die kenianische Mikrokreditbank Lengo Sacco vergeben. Wir übernehmen die Kosten für Registrierung und Trainings.
- Schulgarten: Auf dem weitläufigen und begrünten Gelände wurde ein schuleigener Acker angelegt, um die Schulmahlzeiten mit lokal angebautem Getreide, Gemüse und Obst zu ergänzen. Besonders wenn die Marktpreise in der Trockenzeit steigen, hilft die eigene Ernte, die Versorgung der Kinder zu sichern. Die Schülerinnen und Schüler werden aktiv in die Gartenarbeit eingebunden, lernen dabei Verantwortung zu übernehmen und welche Lebensmittel zu einer ausgewogenen Ernährung beitragen.
- Computerraum: Dank einer großzügigen Sonderspende konnte 2025 ein modern ausgestatteter Computerraum mit 20 Arbeitsplätzen eingerichtet werden. Die Kinder haben dort die Möglichkeit, grundlegende Computerkenntnisse zu erwerben – eine wichtige Voraussetzung für weiterführende Bildung und bessere Berufschancen.
- Schulbibliothek und Labor: Für wissbegierige Kinder und Bücherliebhaber gibt es auf dem Schulcampus eine gut ausgestattete Bibliothek, die den Schülerinnen und Schülern jederzeit offensteht. Für den naturwissenschaftlichen Unterricht verfügt die Schule außerdem über ein eigenes Labor, dessen Existenz für kenianische Schulen eine große Besonderheit darstellt.
Jetzt aktiv werden – So kannst du helfen
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, unsere Projektarbeit rund um Chafisi und die Wings of Mercy Dabaso Academy Schule zu unterstützen. Patenschaften sind eine besonders nachhaltige Form der Unterstützung: Durch deine regelmäßige Spende können unsere Projektpartner verlässlich planen und Projekte langfristig aufbauen. Denn nur mit planbaren Einnahmen lassen sich stabile Strukturen schaffen und dauerhaft finanzieren. Genau darin liegt die große Stärke einer Dauerspende im Vergleich zur Einzelspende.
Eine Patenschaft unterstützt dabei nicht nur ein einzelnes Kind, sondern auch dessen Familie und Umfeld. So wird sichergestellt, dass dein Patenkind und seine Geschwister gut ernährt sind, die Schule besuchen und im Krankheitsfall medizinisch versorgt werden können.
Auch Einzelspenden sind wichtig: Sie helfen akute Bedarfe zu decken. Durch den engen Austausch mit unserem Projektpartner Chafisi Community Support Organisation erfahren wir schnell, was vor Ort fehlt. Mit deiner Einzelspende können wir unbürokratisch und direkt helfen, wenn die Not besonders groß ist.
Unser Partner vor Ort
Wie der Name der eingetragenen Nichtregierungsorganisation bereits vermuten lässt, hat es sich die Chafisi Community Support Organisation zur Aufgabe gemacht, das Dorf Chafisi und seine Bewohnerinnen und Bewohner strukturell und ganzheitlich zu stärken.
Ein besonderer Fokus liegt dabei auf benachteiligten und vulnerablen Kindern, viele von ihnen Waisen. Gegründet wurde die Organisation 2005 von William Fondo, Wilson Kazungu und anderen Mitstreitern, die sich bis heute unermüdlich für den Erhalt und die Weiterentwicklung der Schule einsetzen.